GDG — Gerhard David GschwandtlBeitrag
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Blog·08. März 2024·referenz · building-automation

RETROFIT GEBÄUDEAUTOMATION IM BAUDENKMAL

Alte Steuerung raus, Substanz erhalten. Ein Retrofit in einem historischen Geschäftsgebäude.

Alte Steuerung raus, Bestand erhalten

In historischen Gebäuden ist technische Modernisierung immer eine Gratwanderung. Der Betrieb soll effizienter, transparenter und wartbarer werden. Gleichzeitig darf die bauliche Substanz nicht unnötig belastet werden.

Genau hier liegt der Wert eines sauberen Retrofits in der Gebäudeautomation. Nicht alles neu machen. Sondern gezielt dort erneuern, wo der Bestand technisch an Grenzen kommt.

Bei einem anonymisierten Projekt in einem historischen Geschäftsgebäude in Salzburg wurde eine gewachsene Steuerungsstruktur modernisiert. Alte Steuerungen wurden ersetzt, neue Schaltschränke aufgebaut und ein System aus drahtlosen Sensoren, Aktoren und moderner Gebäudeleittechnik integriert.

Warum das bei historischen Gebäuden anders ist

Bei denkmalgeschützten Gebäuden reicht eine rein technische Betrachtung nicht aus. Jede Maßnahme muss zum Bestand passen. Das Bundesdenkmalamt beschreibt Energieeffizienz am Baudenkmal als Teil eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen, betont aber auch, dass Maßnahmen immer individuell auf das konkrete Gebäude abzustimmen sind.

Für die Praxis bedeutet das: Leitungswege, Schaltschränke, Sensorik, Bediengeräte und Eingriffe in Oberflächen müssen sehr genau geplant werden. Historic England empfiehlt bei neuen technischen Installationen in historischen Gebäuden, bestehende Öffnungen und Leitungswege zu nutzen und neue Eingriffe möglichst zu bündeln, um den Verlust historischer Substanz zu minimieren.

Auch im deutschsprachigen Fachkontext wird dieser Punkt ähnlich beschrieben. Bei technischer Gebäudeausrüstung in denkmalgeschützten Gebäuden geht es wesentlich um minimale Eingriffe, geeignete Leitungsführung und die Beachtung von Raumklima und Bauphysik.

Warum drahtlose Sensorik sinnvoll sein kann

Funktechnik ist nicht automatisch besser als eine kabelgebundene Lösung. Im Baudenkmal bzw. in Bestandsgebäuden kann sie aber ein sehr gutes Werkzeug sein.

Der Vorteil liegt nicht in der Funktechnik selbst, sondern im geringeren Eingriff. Messpunkte können ergänzt, Raumzustände erfasst und Aktoren eingebunden werden, ohne in jedem Bereich neue Leitungen ziehen zu müssen. Das reduziert Stemmarbeiten, sichtbare Leitungsführung und Eingriffe in historische Oberflächen.

REHVA beschreibt drahtlose Gebäudemanagementsysteme für historische Gebäude genau in diesem Zusammenhang: als Möglichkeit, Monitoring und Steuerung zu verbessern, ohne die Einschränkungen historischer Bausubstanz zu ignorieren.

Was technisch zählt

Ein Retrofit ist dann gut, wenn danach wieder Ordnung im System ist.

Im Bestand sind viele Steuerungen über Jahre gewachsen. Dokumentation fehlt teilweise, Regelstrategien sind schwer nachvollziehbar, Bedienung erfolgt über mehrere Ebenen und Störungen lassen sich nur mit Erfahrung eingrenzen.

Eine moderne GLT bringt diese Struktur zurück. Anlagenzustände werden sichtbar. Störungen werden nachvollziehbarer. Temperaturen, Betriebszeiten und Regelparameter können zentral bewertet werden. Die Schaltschränke bilden die saubere technische Basis. Sensoren und Aktoren liefern die notwendigen Daten und Eingriffsmöglichkeiten im Raum.

Gebäudeautomation ist dabei nicht nur Komforttechnik. Die EN ISO 52120-1 beschreibt Funktionen der Gebäudeautomation und des technischen Gebäudemanagements ausdrücklich als Beitrag zur Energieeffizienz von Gebäuden. Dazu zählen unter anderem strukturierte Automationsfunktionen, Mindestanforderungen und Verfahren zur Bewertung des Einflusses auf die Energieperformance.

Die Haltung dazu

Retrofit im Baudenkmal sollte nicht nach dem Motto „maximal modern" geplant werden. Der bessere Ansatz ist: so viel Technik wie nötig, so wenig Eingriff wie möglich.

Das Ziel ist kein sichtbarer Technikauftritt. Das Ziel ist ein Gebäude, das besser betrieben werden kann. Gerade bei historischen Gebäuden ist das entscheidend. Der Bestand bleibt erhalten, die technische Nutzung wird verlängert und der laufende Betrieb wird verständlicher.

Dazu gehören klare Schaltschränke, sinnvolle Sensorik, eine verständliche GLT, saubere Dokumentation und ein Bedienkonzept, das im Alltag funktioniert.

Fazit

Gebäudeautomation ist bei historischen Gebäuden ein besonders starker Retrofit-Hebel. Sie kann den Betrieb verbessern, ohne das Gebäude baulich stark zu verändern.

Drahtlose Sensoren und Aktoren, neue Schaltschränke und eine moderne Gebäudeleittechnik machen alte Steuerungsstrukturen wieder beherrschbar. Der Mehrwert liegt in Transparenz, Wartbarkeit und einem technisch sauberen Betrieb.

Ein gutes Retrofit fällt im Gebäude nicht laut auf. Es sorgt dafür, dass der Bestand weiter genutzt werden kann und technisch wieder auf der Höhe der Zeit ist.

Quellen und Grundlagen

  • Bundesdenkmalamt: Standards Energieeffizienz am Baudenkmal.
  • Bundesdenkmalamt: Denkmalschutz ist Klimaschutz.
  • Historic England: Installing New Services.
  • Baunetz Wissen: Technischer Ausbau in denkmalgeschützten Gebäuden.
  • REHVA Journal: ZigBee based Building Management System for heritage.
  • DIN/EN ISO 52120-1 beziehungsweise ÖNORM EN ISO 52120-1: Energieeffizienz von Gebäuden durch Gebäudeautomation und Gebäudemanagement.